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Muskauer Steinzeug

Große tertiäre Tonvorkommen und der Holzreichtum der Muskauer Heide bildeten die Grundlage für die Entwicklung eines bodenständigen Töpferhandwerks. Der hiesige Rohstoff Ton hat die Eigenschaft bei einer Temperatur von etwa 1300°C zu sinterten und somit eine wasserdichte Oberfläche zu bilden. Durch die Zugabe von Kochsalz in der letzten Brennphase, dem so genannten Salzbrand, erhielten die Gefäße ihre orangenhautartige Oberfläche. 

Der Ort Muskau kann auf eine 400-jährige Handwerkstradition zurückblicken und entwickelte sich im 18. Jh. zu einem bedeutenden Steinzeugzentrum Mitteldeutschlands. In der Zeit zwischen 1795 und 1830 arbeiteten in der Stadt bis zu 21 Meister. Die Fundstücke aus der sogenannten Schmelze, der Strasse der Handwerker, sind beste Belegstücke für die Dekorationsfreude der hiesigen Töpfer im 17. Jahrhundert. Kaum ein Stück gleicht dem anderen.

Die Muskauer Töpfer versorgten ihre Kundschaft mit braunen Krügen und Kannen, die als Schankgefäße genutzt wurden. Dazu rollten sie mit ihren Fuhrwerken Jahr ein Jahr aus in unzählige Marktorte von Breslau bis Wien. Neben der schlichten Bauernkeramik sind eher die üppig dekorierten Gefäße bekannt und stehen heute in vielen Museen der Welt. Typische Dekorationstechniken sind Kerbschnitt, Stempeldruck und in Modeln gefertigte Auflagen. Dazu kommt auch das Schmücken mit eingedrückten Quarzsteinchen und der partielle Auftrag von Braunstein. 


Etwa 15 km von Muskau entfernt befand sich am nördlichen Zipfel des Faltenbogens ein zweites Zentrum der Steinzeugherstellung. Aus den Orten Triebel, Jocksdorf und Teuplitz sind besonders die grauen leuchtend kobaltblau dekorierten Krüge aus dem 17. und beginnenden 18. Jahrhundert bekannt. Die Töpfer arbeiteten hier ebenfalls in Stempel- und Ritztechnik, aber auch mit der Auflagetechnik, indem sie zarte Medaillons aus Ton mit biblischen und weltlichen Szenen auf die Gefäße brachten.

Das Töpferhandwerk im Gebiet um Teuplitz fand schon sehr früh, nach der Gründung der ersten Glasfabriken zur Mitte des 19. Jh., sein Ende.

 

 

 

 

Im ausgehenden 19. Jh. gelangte auch in Muskau, sowie im nahen Ort Tschöpeln (heute Czaple/PL) die nur für Bunzlau vermutete Lehmglasur, sowie die ebenfalls um Kamenz verbreitete Schwämmeltechnik zur Anwendung.

Durch die Abtretung der östlichen Gebiete Deutschlands an Polen nach dem zweiten Weltkrieg wurde das große Gebiet der regionalen Steinzeugherstellung durchtrennt. Danach führten die Töpfer nur im verbliebenen westlichen Teil diese Tradition fort.

Heute befinden sich noch drei Töpfereien in der näheren Umgebung von Muskau, eine in Krauschwitz, zwei in Sagar. Alle drei Meister kehrten inzwischen zur traditionellen Muskauer Herstellungstechnik zurück und stellen wieder salzglasiertes Steinzeug im Holzbrand her.

 

 

Belegschaft 1906 

 Industriekeramik

Mit Beginn der Industrialisierung drängten neue und zum Teil preiswertere Materialien wie Emaille, Glas, Steingut und auch Porzellan auf den Markt und wurden zur großen Konkurrenz für das traditionelle Steinzeuggeschirr. Viele kleine Handwerksbetriebe gaben auf oder stellten ihre Produktion auf technisches Steinzeug um. Der Ort Lugknitz (heute Łęknica/PL), östlich der Neiße, avancierte bald zum Industrie-Vorort von Muskau. Im benachbarten Krauschwitz stellte man in der Tonwarenfabrik von Ludwig Rohrmann, später Deutsche Ton- und Steinzeugwerke, weltweit einmalige säurefeste Produkte wie Behälter mit einem Inhalt bis zu 6000 Liter, Kühlschlangen und Hochspannungsisolatoren her. Rohrmann, ein rühriger Geschäftsmann und mehrfacher Patentinhaber, befasste sich auch mit der Herstellung von Geigen aus Ton. Das letzte noch erhaltene Produkt befindet sich im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen.

Die Produktpalette des Krauschwitzer Betriebes wuchs ständig und reichte bis hin zu kompletten Säureanlagen für chemische Fabriken. Doch auch hier ersetzten bald andere Materialien das Steinzeug. Gegen Ende der 1990er Jahre gehörten nur noch Steinzeugrohre und Abwassersysteme zur Produktion.

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert fand hier das Zeitalter des chemisch - technischen Steinzeugs mit der Schließung des Krauschwitzer Werkes 2004 sein Ende.